Kopf  oder Zahl? …
... Dr. Konstanze Kinne

Bei der Wahl des passenden Serviceanbieters für eine Windenergieanlage (WEA) oder einen Windpark hat Zufall nichts verloren. Schon gar nicht aus Sicht der Banken. Denn als Finanziers haben sie ein entscheidendes Mitspracherecht. Doch welche Maßstäbe setzen sie dabei an? Und gibt es Unterschiede zwischen der Bewertung von Anlagenherstellern und unabhängigen Serviceanbietern? ON Service sprach dazu mit Dr. Konstanze Kinne, Abteilungsleiterin Marktfolge für Projektfinanzierungen Erneuerbare Energien bei der Commerzbank AG.

Die Commerzbank AG ist bereits seit den 1980er Jahren als Finanzier von Erneuerbare-Energien-Projekten aktiv. Aktuell betreut sie in diesem Bereich ein Volumen von circa 3 Milliarden Euro weltweit. Der Anteil der Windenergie beläuft sich auf rund 20 % im deutschen Markt. Die Frage, ob  die  Commerzbank  AG  bei  der  Betrachtung  der  Serviceleistungen vom  Hersteller  oder  unabhängigen  Anbietern  Unterschiede  machte, verneint die Expertin der Bank.

„Bei dem Maßstab zur Bewertung von Serviceunternehmen im Bereich der Windenergie gibt es bei uns keine Unterschiede zwischen OEM und unabhängigen Anbietern.“

Höhere Rücklagen: die Risikoabwägung gegenüber dem Eigner.
Wenn Dr. Konstanze Kinne von „Bewertung“ spricht, dann meint sie in erster Linie Verträge, die der Bank von Kunden im Zuge der Auswahl eines geeigneten Serviceanbieters zur Prüfung vorgelegt werden. Im Rahmen von Kreditverträgen zur Finanzierung von WEA wird hierbei zwischen klassischen Wartungsverträgen in allen möglichen Varianten und verschiedensten Vollwartungsverträgen unterschieden.

„Da bei einfachen Wartungsverträgen das Betriebsrisiko einer WEA oder eines Windparks vor allem beim Eigner liegt, müssen wir unter Umständen  darauf  achten,  dass  dieser  über  ein  Reservekonto  verfügt,  um Rücklagen  für  größere  Reparaturen  oder  Großkomponentenwechsel ansparen zu können.“

Höchste Maßstäbe: 
die Risikoabwägung gegenüber dem Serviceanbieter.
Anders verhält es sich bei Vollwartungsverträgen, bei denen ein Großteil  der  Betriebsrisiken  an  einen Serviceanbieter  abgegeben  werden. Im Falle einer solchen Risikoverlagerung muss ein Kreditinstitut höhere Maßstäbe  und  somit  andere  Bewertungskriterien  ansetzen.  Dabei konzentriert  es  sich  verständlicherweise mehr  auf  das  Leistungsspektrum und das technologische Know-how eines Serviceunternehmens.

 „Als  erfahrene  Bank  haben  wir  hierbei  sehr  genaue  Vorstellungen,  wie solche Verträge und die damit verbundenen Leistungen im Sinne einer Risikominimierung  aussehen  müssen.  Vor  diesem  Hintergrund  sind  wir außerdem daran interessiert zu erfahren, wie ein unabhängiger Serviceanbieter langfristig aufgestellt ist. Hierzu nehmen wir eine klassische Corporate-Analyse vor, zu der u. a. auch die Bewertung der Bonität gehört. Um es nochmals zu betonen: Unsere Anforderungen an unabhängige Anbieter unterscheiden sich hierbei nicht von denen an den Hersteller.“

Das beste Mittel gegen technisches Risiko:
die technische Kompetenz.
Bewertet  werden  nicht  nur  die  Kapitalstruktur  und  der  Finanzstatus eines Dienstleisters, sondern auch dessen interne Abläufe, mit denen bestimmte vertraglich festgelegte Leistungen erbracht werden. Wobei das Thema regelmäßige Mitarbeiterschulungen aus Sicht von Dr. Konstanze Kinne sicherlich dazugehört. Da der Serviceanbieter mit Blick auf den  zuverlässigen  Anlagenbetrieb  ein  hohes  technisches  Risiko  übernimmt, richtet sich das Augenmerk der Bank in diesem Zusammenhang aber vor allem auf die technische Kompetenz. 

„Wir  sind  sehr  daran  interessiert,  dass  sich  auch  unabhängige  WEA-Serviceanbieter  intensiver  mit  den Technologien  der  von  ihnen betreuten  Anlagen  auseinandersetzen.  Nur  so  lässt  sich  die  Wirtschaftlichkeit und Profitabilität von Windparks nachhaltig sicherstellen.  Zu  diesem  Thema  gehören  außerdem  –  neben  der Organisation  der Ersatzteilbeschaffung – z. B. Strategien zur kurzfristigen Bereitstellung von Großkomponenten sowie eine Fernüberwachung, aber auch der Umgang mit technischen Upgrades, um nur einige wesentliche Anforderungen zu nennen.“

Auf Lager statt auf Anfrage: die zuverlässige Verfügbarkeit.
Ein  besonders  wichtiger  Aspekt  bei  der  Beurteilung  eines  potenziellen unabhängigen Dienstleisters ist nach Aussagen von Dr. Konstanze Kinne zudem die Verfügbarkeitsgarantie.

„Wir  müssen  sicherstellen,  dass  die  über  einen  sehr  langen  Zeitraum zugesicherten  Leistungen  auch zuverlässig  erbracht  werden.  Interessant ist hierbei für uns auch, ob ein Vertrag den Austausch bestimmter Komponenten ausschließt oder ob eine Gewährleistung für sämtliche Großkomponenten übernommen wird.“

Das Extra wird zur Selbstverständlichkeit: die Zertifizierungen.
Ob unabhängige Serviceanbieter oder Hersteller: Die sehr unterschiedlichen – und vor allem im Falle von Vollwartungen – sehr hohen Anforderungen  an  den  Service  müssen  von  beiden  gleichermaßen  erfüllt werden können. Dazu setzt Dr. Konstanze Kinne eines immer voraus: Zertifizierungen. 

„Entsprechende Zertifizierungen reflektieren sehr gut den technischen Standard eines Unternehmens. Wenn ein Serviceanbieter hierbei Audits durchführen lässt, die über das zwingend Notwendige hinausgehen, so ist das sicherlich positiv zu bewerten.“

Happy End schon vor Vertragsende:
die Option eines frühzeitigen Ausstiegs.
Als  weniger  positiv  bewertet  Dr.  Kinne  allerdings  die  Tatsache,  dass zwischen  den  ersten  Gesprächen  mit den  Kunden  über  einen  möglichen Vollwartungsvertrag und dem eigentlichen Vertragsbeginn häufig sehr viel Zeit vergeht.

„Die Option eines vorzeitigen Ausstiegs aus langfristigen Verträgen wäre aber durchaus wünschenswert, sollte es zwischen dem Betreiber und dem Anlagenhersteller bzw. einem Servicedienstleister einmal nicht gut laufen.  Für unabhängige  Serviceunternehmen  könnte  hier  ein  neues Geschäftsfeld  aufgebaut  werden,  das  nicht  nur Leistungen  für  ältere Anlagen  anbietet,  sondern  auch  für  WEA  mit  verhältnismäßig  kurzen Betriebslaufzeiten.“          

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