„Wir sind näher am Kunden.“ …
... Ulrich Schomakers

Der Service für Windenergieanlagen ist ein Wachstumsmarkt, dessen Umsatz noch in diesem Jahrzehnt den des Anlagenverkaufs übersteigen wird. Verschiedene Prognosen lassen für das Jahr 2020 einen Branchenumsatz von bis zu acht Milliarden Euro in Europa beziehungsweise 27 Milliarden Euro weltweit erwarten. Wie stellt man sich als herstellerunabhängiger Serviceanbieter in diesem Markt auf? ON Service hat darüber mit Availon-Geschäftsführer Ulrich Schomakers gesprochen.

Herr Schomakers, wie entwickelt sich der Markt für Windenergieanlagenservice?
Ulrich Schomakers: Sehr gut. Wir von Availon erwarten  jedenfalls  ein  Marktwachstum  von 20 bis 30 Prozent jährlich. Und in Deutschland werden die derzeit auf den Markt kommenden 2–3-MW-Anlagen  der  Servicebranche  spätestens  in  zwei  bis  drei  Jahren  einen  weiteren Wachstumsschub geben.

Wie verteilt sich der Markt zwischen Anlagenherstellern und unabhängigen Serviceunternehmen wie Availon?
Etwa 70 zu 30 Prozent. Ich gehe aber davon aus,  dass  wir  und  andere  ISPs  (Independent Service Provider) in fünf Jahren auf 50 Prozent kommen werden.

Klingt nach lebhaftem Wettbewerb!
Eindeutig!  Und  anders  als  früher  versuchen nun auch die Anlagenhersteller, mit Langzeitkonzepten  Kunden  zu  gewinnen.  Der  Preisdruck  nimmt  zu,  und  man  sollte  daher  gut aufgestellt sein, um in diesem Umfeld Geld zu verdienen.

Was ist Ihre Strategie?
Wir  fokussieren  uns  auf  bestimmte  Märkte, Technologien  und  Anlagen.  So  erreichen wir  die  nötige  Anlagenzahl,  um  wirtschaftlich attraktive Angebote vorzulegen und eine vernünftige  Lagerhaltung  von  Ersatz-  und Verschleißteilen  zu  gewährleisten.  Availon  ist bislang  auf  GE®,  Vestas®  und  Gamesa®  spezialisiert  und  mit  Deutschland,  Spanien,  Italien und  den  USA  in  den  größten  Märkten  aktiv.

Wir beobachten genau, welche Technologien und Anlagen sich heute etablieren, um künftig den  passenden  Service  anbieten  zu  können. Wenn  wir  einen  neuen  Anlagentyp  in  unser Wartungsangebot  aufnehmen,  wollen  wir mindestens 500 Stück betreuen können.

Wo liegt die Stärke der Unabhängigen gegenüber dem Service der Anlagenhersteller?
Für  Availon  kann  ich  sagen:  Wir  sind  näher am  Kunden,  flexibler  und  innovativer.  Unser Engineering  bietet  herstellerunabhängige Lösungen  und  Konzepte.  Und  wenn  wir  auf technische Probleme stoßen, die der Hersteller zu  verantworten  hat,  stehen  unsere  Servicemitarbeiter eindeutig auf der Seite des Kunden
und nicht in einem Interessenkonflikt zwischen Kunde und Arbeitgeber.

Können ISPs auf Dauer günstiger sein als die Hersteller?
Wir  haben  eine  flachere  und  damit  kostengünstigere Struktur. Hersteller schleppen eine viel größere Organisation mit sich herum. Das heißt, wir haben niedrigere Lohn- und Fixkosten. Wir bieten insbesondere bei älteren Anlagen  und  Ersatzteilen  Kostenvorteile.  Wenn diese  aus  der  Serienproduktion  herausfallen, sind  wir  mit  unseren  eigenen  Beschaffungswegen,  generalüberholten  Komponenten und  selbst  entwickelten Reparaturprozessen eindeutig günstiger.

Wie hoch sind die Servicekosten bei einer Windenergieanlage (WEA) über 20 Jahre?
Im  Schnitt  können  diese  noch  einmal  60  bis 70 Prozent des Anschaffungspreises ausmachen.

Kann man eine WEA auch über ihre technische Lebenserwartung von 20 Jahren hinaus wirtschaftlich betreiben?
Bei  vernünftiger  Wartung  kann  man  eine WEA  wie  jedes  andere  Kraftwerk  über  ihre technische  Lebenserwartung  hinaus  betreiben.  Im  Offshore-Bereich  rechnen  die  Energieversorger  bereits  mit  25  Jahren.  Und  im Onshore-Bereich,  besonders  an  Schwachwindstandorten,  sehe  ich  keine  Probleme,
Anlagen  deutlich  länger  zu  betreiben  –  bei entsprechendem Service.

Wo kann man beim Service sparen?
Das  hängt  vom  Betriebskonzept  des  Betreibers  ab.  Wenn  die  Anlage  20  Jahre  oder länger  betrieben  werden  soll,  braucht  man ein  Servicekonzept,  das  präventive  Instandhaltung  einschließt.  Ist  dagegen  ein  frühzeitiges  Repowering  geplant  beziehungsweise eine Betriebsdauer von nur 16 oder 17 Jahren, kann  man  etwa  durch  Einsatz  gebrauchter  und  nicht  generalüberholter  Komponenten  Geld  sparen.  Auch leistungssteigernde, aber  verschleißfördernde  Tuningmaßnahmen wären dann vertretbar.

Welche Bedeutung kommt der Anlagenoptimierung zu?
Wir  unterscheiden  zwischen  Optimierung der  Verfügbarkeit  und  Optimierung  der  Leistungsausbeute. Bei Ersterer geht es zunächst um  höhere  Lebensdauer,  geringere  Reparaturanfälligkeit,  niedrigere  Betriebskosten  und höhere Verfügbarkeit. Es bieten sich aber auch Leistungssteigerungen an, etwa durch bessere Windausrichtung, Leistungskurventuning und Parameteroptimierung.  Allerdings  muss  man immer  durchrechnen,  welche  Maßnahmen wirtschaftlich Sinn machen und auch nicht auf Kosten der gewünschten Lebensdauer gehen.

Die Anlagen werden immer größer und komplexer.
Was bedeutet das für Sie und Ihre Kunden?

Je größer die Anlagen, desto teurer die Ausfallzeiten.  Der  Verfügbarkeit  kommt  damit höchste  Bedeutung  zu.  Der  Kunde  erwartet  daher  ertragsbasierte  und  präventive Instandhaltungskonzepte. Das beginnt schon
damit, dass man notwendige Wartungen und Abschaltungen  ganz  bewusst  in  Schwachwindphasen legt.

Bieten heutige Anlagen noch Potenzial zur Leistungssteigerung?
Vielleicht  nicht  in  dem  Maß  wie  früher.  Aber eine  Leistungsoptimierung  um  zwei  Prozent bei einer modernen 3-MW-Anlage ist ertragsseitig so viel wert wie sechs Prozent bei einer 1-MW-Anlage vor zehn Jahren.

Wird der ISP-Markt so mittelständisch bleiben, wie er heute ist?
Zwei Trends sind erkennbar. Kleine Serviceprovider  ohne  eigene  Engineering-Kompetenz und ohne eigene Ersatzteilversorgung werden es  schwer  haben.  Diese  werden  wahrscheinlich  nur  in  Nischen  oder  als  Subunternehmen von Anlagenherstellern oder großer ISPs eine Zukunft haben. Hinzu kommt der Trend zu  Vollwartungskonzepten,  wie  sie  nur  von größeren  und  gut  aufgestellten  ISPs  angeboten werden können. Das spricht wiederum für Fusionen und Übernahmen unter den Serviceunternehmen.

Was steckt eigentlich hinter dem Trend zu Vollwartungskonzepten?
Die Nachfrage ging ursprünglich von Finanzinvestoren aus. Diese kalkulieren mit einer festen Rendite und möchten sich daher gegen technische Risiken absichern. Diese Risiken können wir  im  Rahmen  von  Vollwartungsverträgen
übernehmen  und  managen.  Dazu  warten und überwachen wir jede Anlage und beheben Probleme, bevor diese zu teuren Schäden führen.

Je kleiner ein Windpark, desto größer das Risiko für den Betreiber?
Ganz  klar.  Wer  nur  einige  wenige  Anlagen betreibt, muss sich gegen Ausfälle absichern, um  nicht  in  eine  existenzielle  Schieflage zu geraten. Wer wie in den USA 100 oder mehr Anlagen  betreibt,  hat  eine  günstigere  Risikoverteilung – zumindest theoretisch. Wir beobachten aber auch bei großen Betreibern in den USA eine wachsende Nachfrage nach unseren Konzepten. Zuverlässig laufende Anlagen und eine sichere Rendite haben auch dort Vorrang.

„GE“ ist eine eingetragene Marke der GENERAL ELECTRIC COMPANY, US.
„Vestas“ ist eine ein getragene Marke der
Vestas Wind Sys tems A/S, DK.
„Gamesa“ ist eine eingetragene Marke der Gamesa Corporación Technológica, S.A., ES.

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